Polaris von Black Book Editions

Polaris ist ein Rollenspiel, das es mir etwas schwer macht es zu mögen. Einerseits finde ich das Setting wirklich gut, aber auf der anderen Seite sind die Regeln ein Graus. Später mehr dazu.


Polaris ist ein französisches Rollenspiel, das bereits in Frankreich eine lange Geschichte hat. Entstanden ist es 1996 und inzwischen gibt es bereits die 3. Edition der Regeln. 2016 startete die sehr erfolgreiche Kickstarterkamapgne, die das Rollenspiel dann auf Englisch herausbrachte.

Um was geht es in Polaris?

Nach Kriegen und vielen Umweltkatastrophen flüchtete sich die Menschheit in die Meere. Dank der geheimnisvollen Geneticans schafften die Menschen es, in der Tiefe zu überleben. Im Laufe der Jahrhunderte konnten sich die Menschen vom Joch der Geneticans befreien.

Die Folge daraus waren Kriege zwischen den neu gebildeten Nationen, die die Menschheit an den Rand der Auslöschung trieben. Erst durch den Flux (eine Art von mystischer Energie, die aus dem Leben und dem Planeten entsteht – Die Macht lässt grüßen) und durch den Cult oft he Trident entstand ein Frieden, der eine neu geordnete Gesellschaft hervorbrachte. Wie das Leben nun mal spielt, hielt dieser Frieden nicht ewig und Macht- und Habgier brachten wieder Spannungen zwischen die Nationen.


Neben dem Kampf um Territorien und Ressourcen, prägt auch die Suche nach Erkenntnissen, wie die weitverbreitete Unfruchtbarkeit geheilt werden kann, den Kampf der Unterwassernationen.

Die großen Mächte, die die Meere beherrschen sind:

  • Hegemony (Ostküste der ehemaligen USA):
    Die größte Nation mit einer technisch sehr hoch entwickelten Gesellschaft
  • Red League (Westküste Südamerikas)
    Eine reiche Nation mit Zugang zu vielen Ressourcen
  • Polar Alliance (ehemaliges Kanada bis zur nördlichen Polarregion)
    Die Entstehung war erst durch die Entdeckung eines Höhlensystems, in dem es Sauerstoff gab und es möglich war Gärten anzulegen, möglich.
  • Coral Repuplic (Australien und das Great Barrier Reef)
    Die Nation lebt in Symbiose mit einer Korallenart, die sich neu entwickelte.
  • Equinox und der Cult oft the Trident
    Riesengroße, im Meer schwebende Unterwasserstadt. Der Sitz der „Watcher“ (eine Art Polizeiorganisation)
  • Mediterranean Union (Adria und das Mittelmeer)

Neben diesen großen Nationen gibt es noch eine Reihe kleinerer Gemeinschaften, die die Meere von Polaris bevölkern.

Wem die Unterwasserwelt nicht ausreicht, der kann auch gerne an Land gehen und sich den Herausforderungen (z.B. aggressive, verschmutzte Luft) dort stellen. Auch einen Ausflug in den Weltraum ist möglich.

Was bietet das Setting?

Völlig egal, ob man eine Kampagne machen möchte, in der es nur um das Erforschen noch unbekannter Regionen geht oder man eine shadowrunähnliche Kampagne plant, Polaris ist hier sehr offen. Auch Schatzjagden mit ein bisschen Dungeoncrawl sind möglich, wenn man z.B. sich auf die Suche nach Depots der Geneticans macht.

Die Regeln

Die Regeln sind sehr umfassend und sehr ausführlich. Kurz zusammengefasst würfelt man mit einem W20 gegen einen Fähigkeitswert. Der Wurf wird dann durch den Schwierigkeitsgrad modifiziert. Erfolgreich ist man, wenn man den Wert unterwürfelt. Je näher man aber an den Wert herankommt, desto besser, weil sich durch den Abstand vom Würfelwurf zum Fähigkeitswert der Erfolgsgrad bemisst.


Was dem Regelwerk eindeutig fehlt, sind Beispiele. Leider wurde das von den Autoren nicht umgesetzt, obwohl bereits während der Kickstarterkampagne recht laut danach geschrien wurde. Dadurch, dass immer relativ ähnliche Begriffe verwendet werden, muss man die Absätze oft mehrmals lesen, was die Lektüre natürlich nicht angenehmer macht.

Beispiel:

Zitat

As far as the game is concerned, the Success Probability of an action based on a Skill is equal to its Global Skill Level, meaning:

Base Skill Level (depends on the Attribute) + Masterylevel of the Skill

Die größte Stärke von Polaris ist meiner Meinung nach die Charaktererschaffung. Sie ist extremst ausführlich. Schnell mal einen Charakter bauen is nicht.

Dafür ist durch die verschiedenen Möglichkeiten (Ausbildung, diverse erlernte Berufe, Talente, Herkunft etc.) nahezu alles drin, was man sich nur so vorstellen kann. Dies verdeutlichen die Autoren auch durch die Beispielcharaktere.

Mein persönliches Fazit

Ich habe selten ein so schönes Regelbuch gesehen. Die grafische Gestaltung ist mehr als gelungen. Außerdem kamen im Rahmen der Kickstarterkampagne noch einige nette Extras dazu (z.B. Bodenpläne von typischen Locations).


Vom System her ist Polaris etwas für Leute, die auf Regelcrunch stehen. Hier cruncht es so sehr, dass man das noch meilenweit (auch unter Wasser) noch hört.


Da mir eindeutig noch ein Unterwassersetting gefehlt hatte, habe ich mich damals bei der Kampagne beteiligt. Das Setting ist meiner Meinung nach auch sehr stimmig und die beiden Regelbücher (man brachte beide Core Rulebooks zum Spielen) versorgen einen auch ordentlich mit Hintergrundwissen (z.B. welche Gaszusammenstellungen brauchen Taucher in welcher Tiefe). Auch die Tatsache, dass man recht frei ist, welche Art vom Abenteuer man leiten möchte, finde ich sehr angenehm.


Hier geht es zur offiziellen Seite von Polaris: http://www.polaris-rpg.com/